Aryna Sabalenkas Reaktion nach dem verlorenen US-Open-Finale gegen Elena Rybakina hat eine Debatte über Frust, Respekt und den Moment des Handschlags ausgelöst. Die Belarussin warf ihren Schläger nach dem letzten Punkt zu Boden und zerstörte ihn nach der Begrüßung am Netz vollständig.
Sabalenka hatte nach verlorenem ersten Satz mit 7:5 den Entscheidungssatz erzwungen. Dort verlor sie zunehmend die Kontrolle über das Match und ihre Emotionen. Rybakina gewann den Titel und übernahm zugleich die Führung in der Weltrangliste.
Stubbs kritisiert den Zeitpunkt
Rennae Stubbs stört weniger der emotionale Ausbruch als dessen unmittelbare Nähe zur Siegerin. „Das ist unangenehm für die Gegnerin“, lautete ihre Bewertung. Rybakina habe in diesem Moment nicht wissen können, ob sie ausweichen oder normal zum Handschlag gehen solle.
Die frühere Doppel-Weltranglistenerste verwies zudem auf ein Muster. Nach dem Australian-Open-Finale 2025 gegen Madison Keys zerstörte Sabalenka ebenfalls kurz vor dem Handschlag einen Schläger. Nach ihrer Niederlage gegen Coco Gauff im US-Open-Endspiel 2023 ließ sie den Frust dagegen erst in der Kabine heraus.
Für Stubbs ist die zweite Variante angemessener, weil sie den Triumphmoment der Gewinnerin nicht verändert. Die Kritik richtet sich somit nicht gegen sichtbare Enttäuschung, sondern gegen einen Ort und Zeitpunkt, an dem die Gegnerin unfreiwillig Teil des Ausbruchs wird.
Macci verteidigt die Emotionalität
Trainer Rick Macci sieht den Vorfall weniger streng. Für ihn gehört der Schlägerbruch zu Sabalenkas Persönlichkeit auf dem Platz. Sabalenka selbst hat nach dem Finale mehrfach eingeräumt, wie schwer es ihr in solchen Situationen fällt, ihre Emotionen zu kontrollieren.
Diese Verteidigung erklärt den Ausbruch, löst jedoch das Kernproblem nicht vollständig. Profisport lebt von echten Gefühlen, gleichzeitig markieren Matchende und Handschlag einen klaren Übergang vom Kampf zur Anerkennung des Gegenübers.
Niederlagenserie erhöht den Druck
Sabalenka wollte als erst dritte Spielerin der Open Era drei US-Open-Titel in Folge gewinnen. Stattdessen verlor sie vier ihrer jüngsten fünf Grand-Slam-Endspiele. Auch das Australian-Open-Finale dieses Jahres ging an Rybakina. Erstmals seit 2022 beendet Sabalenka eine Saison ohne Major-Titel.
Diese Bilanz macht ihre Enttäuschung nachvollziehbar, darf jedoch Rybakinas Leistung nicht verdecken. Genau darin liegt die Wirkung des Schlägerwurfs: Er verlagert die Aufmerksamkeit vom Titel zur Reaktion der Verliererin. Sabalenka muss ihre Intensität nicht aufgeben. Sie braucht lediglich einen Weg, den Frust so zu kanalisieren, dass der Moment der Siegerin unangetastet bleibt.
