Aryna Sabalenka verlor das Finale der US Open gegen Elena Rybakina mit 4:6, 7:5 und 2:6. Damit endete bereits ihr viertes Grand-Slam-Endspiel seit Beginn des Jahres 2025 mit einer Niederlage. Gleichzeitig verlor sie die Position als Nummer eins der Welt.
Patrick Mouratoglou sieht die Ursache nicht in fehlender Schlagkraft oder mangelndem Können. Für ihn entscheidet Sabalenkas Umgang mit Frust darüber, ob sie ihr bestes Tennis abrufen kann. „Wenn Aryna wütend wird, verliert sie ihr Tennis“, erklärte der frühere Trainer von Serena Williams.
Im Finale waren die Folgen sichtbar. Sabalenka schoss einen Ball auf die Tribüne und erhielt eine Verwarnung, warf ihren Schläger und geriet mit einem Kameramann aneinander. Solche Momente kosten nicht nur Konzentration. Sie verändern den Rhythmus zwischen den Punkten und geben einer Gegnerin Zeit, die eigene Stabilität auszubauen.
Selbstkritik verstärkt den sportlichen Absturz
Mouratoglou beschreibt einen Kreislauf, der sich während eines Matches verschärft. „Wenn die Dinge nicht mehr nach ihren Vorstellungen laufen, werden die Emotionen zu stark. Sie wird sich selbst gegenüber sehr negativ und zieht sich herunter. Je länger das dauert, desto mehr sinkt ihr Niveau, weil sie sich selbst zerstört.“
Diese Analyse erklärt, warum Sabalenka trotz ihrer herausragenden Waffen in engen Endspielen verwundbar bleibt. Ihre Intensität ist ein wichtiger Teil ihrer Stärke. Dieselbe Energie kann jedoch gegen sie arbeiten, wenn ein verlorener Punkt zur Bewertung des gesamten Matches wird.
Mouratoglou verweist auf John McEnroe und Björn Borg als unterschiedliche Beispiele. McEnroe konnte seine Wut teilweise in bessere Leistung umwandeln, Borg blieb äußerlich kontrolliert. Entscheidend ist daher nicht, dass alle Spielerinnen gleich ruhig wirken. Entscheidend ist, ob eine emotionale Reaktion die nächsten Schläge verbessert oder verschlechtert.
New York lieferte dafür einen deutlichen Kontrast. Rybakina hielt nach dem verlorenen zweiten Satz an ihrem Spiel fest und gewann den dritten klar. Sabalenka musste gleichzeitig das Ergebnis, ihre Fehler und ihre sichtbare Frustration verarbeiten. In einem Finale wurde mentale Ordnung damit zu einem ebenso wichtigen Werkzeug wie der Aufschlag.
Für Sabalenka besteht die Aufgabe nicht darin, ihre Persönlichkeit abzulegen. Sie muss den Abstand zwischen Ärger und Selbstbeschädigung vergrößern. Vier verlorene Major-Finals in kurzer Zeit sind kein Beweis für fehlende Klasse; sie zeigen vielmehr, wie knapp der Unterschied zwischen einer Finalistin und einer Siegerin sein kann. Rybakina nutzte diesen Unterschied in New York konsequenter.
