Jessica Pegula hat eine grundlegende Änderung für das Herreneinzel bei Grand-Slam-Turnieren angeregt. Die Weltranglistendritte würde in den ersten Runden im Modus Best-of-three spielen lassen und erst ab dem Viertelfinale zu Best-of-five wechseln. Damit will sie die frühe Turnierphase entlasten, räumt aber selbst ein, dass ihr Modell extrem späte Matches nicht zuverlässig verhindern könnte.
Die Diskussion gewann nach dem US-Open-Viertelfinale zwischen Ben Shelton und Carlos Alcaraz an Schärfe. Die fast fünfstündige Partie endete um 3.33 Uhr, als das Arthur Ashe Stadium bereits weniger als zur Hälfte gefüllt war. Für Spieler, Zuschauer und Beschäftigte entstand erneut die Frage, wie lange ein Abendprogramm dauern darf.
Weniger Sätze lösen nicht jedes Zeitproblem
„Ich weiß nicht, wie die Antwort lautet. Meine Theorie zu Best-of-five war immer, dass sie vielleicht erst ab dem Viertelfinale fünf Sätze spielen sollten, aber das hätte das Problem an diesem Tag nicht gelöst“, sagte Pegula. Shelton und Alcaraz standen bereits im Viertelfinale, sodass ihr Vorschlag gerade bei diesem Marathon wirkungslos geblieben wäre.
Pegula hielt dennoch an der Grundidee fest: „Ich finde weiterhin, sie sollten bis zum Viertelfinale Best-of-three spielen und dann auf Best-of-five wechseln. Aber würde das das Problem lösen? Nein.“ Der Ansatz könnte den Spielplan in der ersten Woche entzerren und die körperliche Belastung senken. Gleichzeitig würde er frühen Runden einen Teil jener besonderen Ausdauerprüfung nehmen, die Grand Slams vom übrigen ATP-Kalender unterscheidet.
Die US Open beginnen ihre Night Session um 19 Uhr. Ein Start um 18 Uhr wird diskutiert, doch die Veranstalter fürchten leerere Tribünen, weil viele New Yorker erst nach der Arbeit anreisen. Turnierdirektor Craig Tiley will deshalb an einem Frauen- und einem Herrenmatch pro Abend festhalten.
No-Ad findet bei Pegula keine Zustimmung
Andere Vorschläge zielen auf kürzere einzelne Spiele. Pegula lehnt die Abschaffung des Vorteils beim Einstand jedoch entschieden ab. „No-Ad, ich hasse No-Ad. Ich hoffe, dass wir nie zu No-Ad wechseln. Keine Lets spielen, das ist dumm. Warum will man einen Punkt so gewinnen, wenn der Ball über die Netzkante kriecht?“
Madison Keys widersprach ebenfalls der Idee, Let-Aufschläge abzuschaffen, weil dadurch nur wenig Zeit gewonnen werde. Beide Spielerinnen trennen damit sinnvolle Planungsreformen von Eingriffen, die den sportlichen Wert verändern, ohne das Kernproblem zu lösen.
Pegulas Vorschlag eröffnet eine ernsthafte Debatte über die Belastung der ersten Woche. Er ist aber kein vollständiger Nachtspielplan. Solange zwei Matches ohne feste Zeitgrenze am Abend beginnen, bleibt ein Ende tief in der Nacht möglich. Die ehrliche Stärke ihrer Position liegt darin, diesen Widerspruch selbst zu benennen.
