Alex Eala führt eine WTA-Abstimmung zum Star der nordamerikanischen Hartplatzserie mit großem Abstand an. Nach mehr als 3.700 Stimmen lag die Filipina bei 74 Prozent, während US-Open-Siegerin und neue Weltranglistenerste Elena Rybakina nur 19 Prozent erreichte. Iga Świątek folgte mit vier Prozent.
Das Ergebnis löste Kritik aus, weil Rybakina den größten Titel des Abschnitts gewann. Eala wurde für ihren WTA-500-Erfolg in Washington nominiert, wo sie Naomi Osaka, Jessica Pegula und Elina Svitolina besiegte. Sportlich ist Rybakinas US-Open-Triumph höher einzustufen, doch die Abstimmung fragte nach dem größten Star und nicht ausdrücklich nach der besten Leistung.
Popularität und sportliche Wertung sind nicht dasselbe
Ein Nutzer schrieb: „Ealas Fans sind so schamlos.“ Ein anderer kommentierte: „Es kann nicht sein, dass Alex Eala mit dem Washington-Titel solche Zahlen gegenüber Rybakina erreicht. Es ger��t inzwischen außer Kontrolle.“ Weitere Stimmen bezeichneten das Ergebnis als unglaubwürdig und warfen Ealas Anhängern vor, sich nicht für Tennis zu interessieren.
Die Gegenposition ist ebenso einfach. „Hasst nicht die Spielerin, hasst das Spiel“, schrieb ein Eala-Fan. Ein anderer erinnerte daran, dass jeder für seine Favoritin stimmen könne und eine starke Beteiligung kein Regelverstoß sei.
Genau darin liegt die Grenze solcher Umfragen. Eine offene Fanabstimmung misst Mobilisierung, Reichweite und emotionale Bindung. Sie ist keine Rangliste, keine Expertenwahl und keine Gewichtung von Turnierkategorien. Wer daraus eine objektive Leistungsbewertung machen will, stellt eine andere Frage als die WTA.
Auch die weiteren Nominierten verdeutlichen das Problem. Coco Gauff und Iga Świątek standen nach ihren WTA-1000-Titeln zur Wahl, Iva Jovic nach der Titelverteidigung in Guadalajara. Trotzdem sammelte keine von ihnen eine vergleichbare Fanmobilisierung.
Für die WTA ist Ealas Reichweite trotzdem wertvoll
Ealas Vorsprung bestätigt, wie stark ihre Anhängerschaft inzwischen ist. Ihre Matches füllten in dieser Saison Stadien, und der Washington-Titel gab der Begeisterung zusätzlich sportliche Substanz. Rybakinas Leistung wird durch das Abstimmungsergebnis nicht kleiner; sie bleibt US-Open-Siegerin und Nummer eins der Welt.
Die Kontroverse hätte sich mit klareren Kriterien vermeiden lassen. Eine Kategorie „beste Leistung“ hätte Rybakinas Grand-Slam-Sieg in den Mittelpunkt gestellt. „Star der Serie“ lädt dagegen ausdrücklich zur Popularitätswahl ein.
Ealas Fans haben dieses Format besser genutzt als die Anhängerinnen anderer Spielerinnen. Das mag das Ergebnis sportlich verzerren, macht es jedoch nicht unzulässig. Für die WTA liefert die Abstimmung vor allem eine kommerzielle Erkenntnis: Eala erzeugt Aufmerksamkeit weit über die Bedeutung eines einzelnen Turniers hinaus.
