Elina Svitolina nutzt die Finalrunde des Billie Jean King Cups nicht nur als sportliche Bühne für die Ukraine. In Shenzhen erneuert sie ihre Kritik an russischen Spielerinnen, die ohne öffentliche Distanzierung vom Angriff auf ihr Land unter neutralem Status antreten oder inzwischen eine andere Nationalität vertreten. Ihre Aussagen machen deutlich, dass sie zwischen formaler Kennzeichnung und persönlicher Verantwortung keinen Trennstrich zieht.
Die Ukraine tritt ohne Marta Kostyuk an, die pausiert. Neben Elina soll Anhelina Kalinina im Einzel Punkte holen. Elina verbindet ihre Führungsrolle weiterhin mit einer politischen Position, die sie seit Beginn des Krieges vertritt.
Neutraler Status reicht ihr nicht aus
Russische und belarussische Profis werden in den Weltranglisten und bei Turnieren ohne ihre Landesflaggen geführt. Für Elina ändert diese Darstellung nichts an ihrer Bewertung. „Für mich gibt es keine neutralen Athleten“, sagte sie. „Für mich gibt es nur Athletinnen, die trotz allem den Aggressor repräsentieren und für diesen an den Start gehen.“
Besonders kritisch sieht sie Spielerinnen, die ihre Nationalität gewechselt haben, ohne sich zuvor gegen den russischen Angriff zu äußern. Svitolina nennt in diesem Zusammenhang Anastasia Potapova, Polina Kudermetova, Kamilla Rakhimova und Anna Blinkova. Der Passwechsel allein ist für sie kein Beleg für eine politische Abgrenzung.
„Diejenigen, die jetzt eine andere Nationalität haben, aber nie eine kritische Meinung geäußert haben, sehe ich als Leute, die es einfach nur für ihren persönlichen Vorteil gemacht haben“, sagte Svitolina. Solche Begegnungen seien schwierig, gäben ihr jedoch „eine große Motivation, sie auf dem Court zu zerstören“.
Kasatkina markiert die entscheidende Ausnahme
Ihre Haltung ist damit streng, aber nicht vollkommen pauschal. Daria Kasatkina, die inzwischen für Australien spielt, nimmt Elina offenbar von der Kritik aus. Kasatkina hatte sich vor ihrem Nationenwechsel öffentlich gegen den Angriff geäußert. Für Svitolina liegt der Unterschied folglich nicht allein in der neuen Flagge, sondern in der zuvor erkennbaren Position.
Das Teamturnier verstärkt die Bedeutung dieser Aussagen. Im Billie Jean King Cup treten Spielerinnen ausdrücklich für ein Land an, während der neutrale Status im Touralltag nationale Symbole ausblendet. Svitolina macht diesen Gegensatz sichtbar und verweigert die Vorstellung, dass eine organisatorische Bezeichnung den politischen Konflikt erledigt.
Für die Ukraine erhöht ihre Haltung zugleich den emotionalen Druck. Elina muss ihr Team sportlich führen und bleibt außerhalb des Platzes dessen deutlichste Stimme. Die Motivation, die sie aus möglichen Duellen zieht, kann Energie geben. Sie macht jedoch ebenso klar, dass diese Matches für sie nie nur gewöhnliche Paarungen in einem Tableau sind.
