Xinran Sun überspringt für ihr Debüt auf der WTA-Tour die kleinen Bühnen. Die 16-jährige Chinesin bestreitet ihr erstes Match bei den Profis beim 1000er-Turnier in Peking und trifft dort auf Eva Lys. Für die US-Open-Siegerin der Juniorinnen wird es der direkte Vergleich zwischen herausragenden Nachwuchsergebnissen und dem Tempo der WTA-Tour.
Sun erreichte in diesem Jahr zunächst das Juniorinnen-Finale der French Open und anschließend das Endspiel in Wimbledon. Bei den US Open folgte der Titel. Im Juni wurde sie zudem als erste Chinesin zur Nummer eins der Juniorinnen-Weltrangliste.
Drei Grand Slams bereiten den nächsten Schritt vor
Die Serie aus zwei Finals und einem Titel zeigt, dass Suns Aufstieg nicht an einer einzelnen Turnierwoche hängt. Sie hat bei drei verschiedenen Grand Slams nacheinander das Endspiel erreicht und den letzten dieser Anläufe erfolgreich beendet.
Trotzdem bewertet sie den Wechsel realistisch. „Es ist sehr gut, die Nummer eins bei den Juniorinnen zu sein“, sagte Sun. Sie verwies zugleich auf den großen Unterschied zum Profitennis, auf stärkere Spielerinnen, bessere Technik und die eigene Aufgabe, mehr Power zu entwickeln.
Diese Einschätzung schützt vor einer falschen Erwartung an das Debüt. Ein Juniorinnentitel macht Sun interessant, garantiert gegen eine erfahrene Profispielerin jedoch keinen unmittelbaren Erfolg. Peking ist deshalb ebenso Lernort wie Ergebnistest.
Ein früher Umzug prägt ihre Entwicklung
Sun verließ Shenzhen im Alter von zehn Jahren und zog nach Belgrad. Seit mehr als fünf Jahren trainiert sie dort bei Goran Zivotic und Goran Krivokuca. Der Schritt erklärt, warum ihre Entwicklung bereits früh international ausgerichtet war.
Die Rückkehr nach China bekommt dadurch eine zusätzliche Ebene. Sun gibt ihr WTA-Debüt im eigenen Land, nachdem ein großer Teil ihrer Ausbildung in Serbien stattfand. Die Aufmerksamkeit wird entsprechend hoch sein, doch die sportliche Aufgabe bleibt klar umrissen.
Lys ist eine anspruchsvolle erste Gegnerin
Eva Lys fand wegen körperlicher Probleme in dieser Saison bislang keinen konstanten Rhythmus. Daraus ergibt sich für Sun keine einfache Partie. Die Hamburgerin bringt Erfahrungen aus dem Profitennis mit, die der 16-Jährigen noch fehlen.
Das große Teilnehmerfeld hilft zumindest bei der Einordnung. In Peking sind 32 Spielerinnen gesetzt und besitzen in der ersten Runde ein Freilos, weshalb Sun zunächst nicht auf eine der absoluten Topgesetzten trifft. Ihr Debüt bleibt dennoch ein deutlicher Sprung. Der Ausgang wird zeigen, wie ihre Schläge gegen WTA-Niveau bestehen. Der langfristige Wert liegt darin, dass Sun genau den Unterschied erlebt, den sie selbst bereits benannt hat.
