Alexander Zverev hat Deutschland mit zwei klaren Einzelsiegen zum 3:1 gegen Kroatien geführt und anschließend den derzeitigen Modus des Davis Cups frontal angegriffen. Nach Erfolgen in zwei Sätzen gegen Dino Prizmic und Matej Dodig forderte der US-Open-Sieger eine Rückkehr zu Begegnungen mit echtem Heim- oder Auswärtscharakter.
Die Finalrunde wird mit acht Mannschaften an einem festen Ort in Bologna ausgetragen. Zverev sieht darin einen Verlust jener Atmosphäre, die das Duell mit Kroatien prägte. „Ich hoffe, dass die Entscheidungsträger des Davis Cups irgendwann aufwachen und erkennen, was der echte Davis Cup ist“, sagte er. Seine Bewertung der Endrunde fiel noch deutlicher aus: „Was wir in Bologna spielen, ist absoluter Müll. Ich hoffe, dass wir zum alten Format zurückkehren.“
Heimkulisse als sportlicher Faktor
Zverevs Kritik gewinnt Gewicht, weil sie unmittelbar nach einer erfolgreichen Heimbegegnung kam. Deutschland löste das Ticket für Bologna vor eigenem Publikum und erlebte genau jene Verbindung zwischen Mannschaft und Zuschauern, die in einer zentralen Turnierwoche schwerer herzustellen ist.
Der alte Modus verteilte Verantwortung und Vorteile klar: Ein Team spielte zu Hause, das andere musste auswärts bestehen. Der aktuelle Wettbewerb schafft dagegen einen kompakten Saisonabschluss mit acht Nationen. Zverev bestreitet nicht die sportliche Bedeutung dieser Finalrunde, sondern ihre Fähigkeit, die besondere Identität des Wettbewerbs zu bewahren.
Seine eigene Bilanz stärkt die Position. Der Deutsche steht im Davis Cup bei 13 Siegen und fünf Niederlagen und ist dort seit 2023 ungeschlagen. Mit den beiden Erfolgen gegen Kroatien verlängerte er zugleich seine persönliche Siegesserie auf neun Matches, nachdem er zuvor die US Open gewonnen hatte.
Deutschland reist mit einer realen Chance nach Bologna
Die Kritik ändert nichts am unmittelbaren Ziel. Deutschland erreichte im vergangenen Jahr das Halbfinale und wartet seit 1993 auf den vierten Titel. Die früheren Triumphe von 1988, 1989 und 1993 stammen aus einer Zeit, in der Boris Becker und Michael Stich die Mannschaft prägten.
Zverevs aktuelle Form gibt dem Team eine starke Nummer eins. Trotzdem entscheidet eine Davis-Cup-Runde nicht allein das Spitzeneinzel; das zweite Einzel und das Doppel bleiben wesentlich. Der 3:1-Erfolg über Kroatien zeigte eine funktionierende Mannschaft, nicht nur einen dominanten Star.
Damit entsteht ein bemerkenswerter Gegensatz: Zverev lehnt das Format der Endrunde ab, zu der er Deutschland gerade geführt hat. In Bologna kann er nun sportlich um den Titel kämpfen und zugleich demonstrieren, was dem Wettbewerb seiner Ansicht nach fehlt.
