Björn Borg, einst als „Ice Man“ des Tennis gefeiert, blickt in seiner neuen Autobiografie Heartbeats: A Memoir auf die Schattenseiten seines Lebens zurück. Der elffache Grand-Slam-Sieger gesteht, nach seinem überraschenden Rücktritt 1983 in eine tiefe Krise geraten zu sein. „Die Leute kennen mich als Tennisspieler, aber nicht das, was ich durchgemacht habe. Die Entscheidungen, die ich in meinem Leben getroffen habe, waren dumm, deshalb wollte ich diese Geschichte erzählen“, sagte Borg dem Guardian.
Die Niederlagen gegen John McEnroe bei Wimbledon und den US Open 1981 hatten seinen Rückzug beschleunigt. Ohne die Struktur des Profisports fiel der damals 26-Jährige in ein Loch. „Ich hatte keinen Plan. Ich war verloren in dieser Welt. Dann fing ich mit Drogen, Pillen oder Alkohol an – das war ein Weg, vor der Realität zu fliehen“, erklärte Borg in der Times.
Absturz durch Drogen und Alkohol
Borg berichtet, dass er 1982 erstmals Kokain probierte, auf einer Party in Manhattan. „Ich dachte: Ich spiele kein Tennis mehr, also kann ich es versuchen. Was soll schon passieren?“ Rückblickend sei das einer der größten Fehler seines Lebens gewesen. „Drogen, Pillen, Alkohol – es ist furchtbar. Am Ende nahm ich immer mehr, nur um Glück zu finden. Wo ist Glück?“
Er schildert, wie er mehrfach dem Tod nahe war. Besonders schmerzhaft sei ein Krankenhausaufenthalt nach einer Überdosis gewesen, als sein Vater ihn dort besuchte: „Das war die größte Schande von allen.“
Mehrere Comeback-Versuche Anfang der 1990er Jahre scheiterten. Auf dem Platz fand Borg nicht mehr zu alter Stärke, abseits davon musste er lernen, mit sich selbst zurechtzukommen. Heute beschreibt er sich als „sehr glücklich“ und betont, dass er sein Leben wieder in den Griff bekommen habe.
Ein neues Bild des „Ice Man“
Seine Erinnerungen zeigen eine andere Seite des Schweden, der auf dem Court oft unnahbar wirkte. „Der erste Kokainrausch gab mir das gleiche Gefühl wie früher das Tennis“, schreibt Borg. Doch die Sucht zerstörte fast sein Leben. „Natürlich ist das nicht gut, es zerstört dich als Person.“
Mit seinem Buch will Borg nicht nur die sportlichen Höhepunkte, sondern auch die Abgründe seines Lebens offenlegen. „Ich hatte keinen Plan“, fasst er seine damalige Orientierungslosigkeit zusammen. Seine Geschichte ist eine schonungslose Abrechnung mit der Zeit nach einer beispiellosen Karriere – und ein Zeugnis davon, wie schwer der Weg zurück ins Leben sein kann.
