Novak Djokovics Erstrunden-Aus bei den US Open hat die Diskussion über sein Karriereende deutlich verschärft. Der 24-malige Grand-Slam-Sieger verlor in New York über fünf Sätze gegen Mariano Navone. Damit scheiterte er erstmals seit 2006 wieder zum Auftakt eines Major-Turniers und kassierte zugleich seine dritte Niederlage nacheinander.
Die Serie begann im Wimbledon-Halbfinale gegen Jannik Sinner. Danach folgten ein Erstrunden-Aus in Cincinnati und nun die nächste frühe Niederlage. Djokovic selbst wollte über einen Rücktritt nicht sprechen. Er hat vielmehr wiederholt angedeutet, bis zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles weitermachen zu wollen.
Becker sieht eine Entscheidung näher kommen
Boris Becker kennt den Serben besonders gut, nachdem er ihn von 2013 bis 2016 trainiert hatte. Der frühere Weltranglistenerste formulierte seine Sorge bei Sporteurope.tv unmissverständlich: „So kann es nicht weitergehen – es schmerzt mich sehr. Er ist ein zu großer Superstar dafür, also wird er sehr sorgfältig darüber nachdenken, was die Zukunft bringt.“
Becker deutete sogar eine mögliche Idee für Djokovics nächsten Schritt an, ließ sie jedoch offen. „Er muss über die Zukunft nachdenken. Ich habe eine Idee, aber ich werde sie nicht im Fernsehen sagen; ich werde noch etwas länger darüber nachdenken. Irgendwann geht alles zu Ende, und dann ist die Frage, wohin man den nächsten Schritt macht?“
Diese Worte sind keine Rücktrittsmeldung. Sie zeigen jedoch, dass selbst ein langjähriger Vertrauter die jüngsten Resultate nicht mehr als einzelne Ausrutscher bewertet. Drei Niederlagen in Folge verändern die Perspektive, besonders weil eine davon bei einem Grand Slam gleich in Runde eins kam.
Peking wird zum wichtigen Formtest
Djokovic hat bereits für die China Open gemeldet, die am 30. September beginnen und bis zum 11. Oktober dauern. In Peking ist seine Bilanz außergewöhnlich: sechs Titel, 29 Siege und keine Niederlage. Seit seinem Triumph 2015 hat er dort allerdings nicht mehr gespielt.
Auch Sinner, Alexander Zverev und Felix Auger-Aliassime stehen auf der Meldeliste. Sinner reist als Titelverteidiger an. Danach plant Djokovic den Six Kings Slam im Oktober und erwägt zudem die Hellenic Championships im November.
Damit liefert der Kalender eine unmittelbare Antwortmöglichkeit. Djokovic kann die Debatte nicht mit Worten beenden, wohl aber mit belastbaren Auftritten. Peking wird zeigen, ob sein historischer Erfolg an diesem Ort neue Stabilität bringt oder ob Beckers Zukunftsfrage weiter an Gewicht gewinnt.
Seine konkrete Turnierplanung widerspricht vorerst einem sofortigen Ende. Entscheidend ist jedoch, ob Körper und Spiel über mehrere Wochen wieder dieselbe Widerstandskraft zeigen. Die China Open verbinden deshalb einen vertrauten Erfolgsort mit einer Gegenwart, in der frühere Gewissheiten nicht mehr automatisch gelten.
