Alex Eala hat sich mit starken Ergebnissen in der erweiterten Weltspitze etabliert, doch John McEnroe sieht in ihrem Aufschlag weiterhin eine entscheidende Schwachstelle. Die Filipina erreichte in Wimbledon erstmals das Achtelfinale eines Grand-Slam-Turniers, schlug dabei Titelverteidigerin Iga Swiatek und gewann anschließend in Washington ihren ersten WTA-Titel.
Auch bei den US Open bestätigte Eala ihre wachsende Anziehungskraft mit zwei Siegen. In der dritten Runde gegen Iva Jovic verlor sie jedoch neunmal ihr Aufschlagspiel. Gerade diese Zahl liefert McEnroe den Ansatzpunkt für seine Einschätzung.
Für Grand-Slam-Titel fehlt noch Stabilität
Der siebenmalige Grand-Slam-Sieger formulierte seine Kernforderung ohne Umweg: “If she wants to win one of these majors, she’s got to improve the serve. It’s a liability. It’s gotten better, but, you know, there’s more to come.” McEnroe bestreitet damit nicht Ealas Fortschritt. Er unterscheidet vielmehr zwischen einer Spielerin, die Topgegnerinnen schlagen kann, und einer Kandidatin, die sieben Matches über zwei Wochen gewinnen soll.
Ealas Grundschläge können bereits mit den Besten mithalten. Ihr Aufschlag muss jedoch häufiger neutrale oder offensive erste Bälle erzeugen. Neun Breaks in einem Match bedeuten, dass nahezu jedes eigene Servicegame unter Druck steht. Das erhöht zugleich die Anforderungen an Return, Beinarbeit und mentale Energie.
Athletik bleibt Teil des Gesamtpakets
McEnroe verwies außerdem auf körperliche Unterschiede zu Elena Rybakina, Aryna Sabalenka und Coco Gauff. Größe und Geschwindigkeit lassen sich nur begrenzt verändern. Platzierung, Rhythmus, Variation und eine bessere Quote beim ersten Aufschlag können dagegen verhindern, dass der Schlag zur dauerhaften Angriffsstelle wird.
Seine Kritik verband McEnroe mit großer Anerkennung. “I’ll start by saying the sky’s the limit for her,” erklärte er. Eala trage das enorme Interesse eines Landes, das keine vergleichbare Tennistradition besitzt, und bestätige den Hype durch ihren Kampfgeist und ihre Entwicklung.
Der Vergleich mit anderen Spitzenspielerinnen sollte deshalb nicht als Forderung verstanden werden, deren Körperbau oder Stil zu kopieren. Eala braucht eine Aufschlagversion, die zu ihrem Spiel passt und ihren starken Grundschlägen mehr Wirkung verschafft.
Ihr Aufstieg ist bereits bemerkenswert, doch der nächste Entwicklungsschritt ist klar messbar. Wenn Eala die Zahl der sofortigen Drucksituationen in eigenen Servicegames reduziert, kann sie ihre Returnstärke und ihre Schlagqualität häufiger aus einer ausgeglichenen Position einsetzen. Genau dort verläuft die Grenze zwischen einem gefährlichen Einzelmatch und einem beständigen Grand-Slam-Lauf.
