Rennae Stubbs hat John McEnroe für dessen Schlussbemerkung nach Alexander Zverevs US-Open-Sieg kritisiert. Der frühere Weltranglistenerste hatte am Ende der ESPN-Übertragung nicht den neuen Champion in den Mittelpunkt gestellt, sondern Carlos Alcaraz und Jannik Sinner eine schnelle Genesung gewünscht.
Zverev hatte Ben Shelton im Finale mit 6:3, 7:6 (7:2), 5:7, 6:2 besiegt und damit seinen zweiten Grand-Slam-Titel des Jahres gewonnen. Sinner fehlte in New York wegen Knieproblemen, Alcaraz war nach mehr als vier Monaten Verletzungspause im Viertelfinale ausgeschieden.
Ein Satz verschiebt den Fokus
McEnroe sagte zum Abschluss: „Werdet gesund, Carlos und Jannik.“ Für viele Zuschauer klang das wie eine Relativierung von Zverevs Leistung, weil die abwesenden oder angeschlagenen Rivalen unmittelbar nach der Siegerehrung zum Maßstab gemacht wurden.
Stubbs griff den Moment in ihrem Podcast auf. „Ich weiß nicht, ob ihr John McEnroes letzte Worte in der ESPN-Übertragung gehört habt“, sagte sie. Dann gab sie seine Aussage sinngemäß wieder und fügte hinzu: „Bruder, das war ein bisschen unangebracht. Das ist der Mist, den man im Kopf sagt, nicht ins Mikrofon.“
Ihre Kritik richtet sich damit weniger gegen McEnroes sportliche Einschätzung als gegen Zeitpunkt und Bühne. Ein Kommentator darf die Bedeutung fehlender Stars analysieren. Unmittelbar nach dem Finale beansprucht diese Bemerkung jedoch einen Moment, der dem Sieger und seinem geschlagenen Gegner gehört.
Nicht der erste umstrittene Auftritt
McEnroe war bereits nach Mariano Navones Erstrundensieg über Novak Djokovic kritisiert worden. Statt den größten Erfolg des Argentiniers zu würdigen, bemerkte er, Navone werde seine nächste Partie auf „Court 21“ spielen. Einen Platz mit dieser Bezeichnung gibt es in Flushing Meadows nicht.
Navone erreichte anschließend erstmals die dritte Runde der US Open, wo er gegen Tomas Martin Etcheverry verlor. Der frühere Vorfall verstärkt den Eindruck, dass McEnroes zugespitzter Humor in entscheidenden Momenten den sportlichen Anlass überlagern kann.
Kommentar braucht Timing
Zverev konnte nur die Gegner schlagen, die tatsächlich antraten. Verletzungen gehören zur Saison, und sein Titel verliert nicht automatisch an Wert, weil Sinner fehlte oder Alcaraz noch nicht seine beste Form erreicht hatte.
Stubbs' Einwand trifft deshalb einen Grundsatz der Live-Berichterstattung: Analyse darf kritisch sein, muss jedoch den Moment lesen. McEnroes Aussage hätte in einer späteren Saisonvorschau eine legitime Debatte eröffnet. Als letzter Satz der US Open wirkte sie wie ein Vorbehalt gegenüber dem Champion. Genau diese Verschiebung machte aus sieben Wörtern eine Kontroverse.
