Der dramatische 3:2-Erfolg Tschechiens gegen die USA hat nicht nur sportlich überzeugt. Rund 12.000 Zuschauer in der Prager O2 Arena zeigten, dass die tschechische Hauptstadt eine große Tennisveranstaltung tragen kann. Nach den Einzelsiegen von Jakub Mensik gegen Ben Shelton und Jiri Lehecka gegen Learner Tien stellt sich deshalb eine weitergehende Frage: Warum besitzt Prag weiterhin kein reguläres ATP-Turnier?
Davis Cup beweist vorhandene Nachfrage
Die Begegnung bot genau jene Mischung, die Veranstalter für ein erfolgreiches Tour-Event benötigen. Einheimische Spitzenspieler, ein starker Gegner und ein Ergebnis, das bis zum letzten Abschnitt offen blieb, erzeugten eine Atmosphäre, die über den reinen Nationalmannschaftseffekt hinausweist. Es war das erste tschechische Davis-Cup-Heimspiel in Prag seit 2013.
Mensik und Lehecka haben inzwischen genügend internationale Bedeutung, um auch außerhalb eines Länderkampfs Zuschauer anzuziehen. Hinzu kommen weitere tschechische Profis, die ein Hauptfeld und die Qualifikation mit lokalen Geschichten füllen könnten. Ein ATP-Turnier wäre dadurch nicht vollständig von einem einzigen Star abhängig.
Die Stadt hat ihre Größe bereits bei anderen Tennisformaten gezeigt. Beim Laver Cup 2017 kamen rund 18.000 Zuschauer, als unter anderem Roger Federer, Rafael Nadal, Alexander Zverev und Nick Kyrgios antraten. Dieses Ereignis war personell außergewöhnlich, bewies jedoch, dass Infrastruktur und Publikum für Spitzentennis vorhanden sind.
Eine Lücke im tschechischen Kalender
Prag verfügt derzeit nur über ein Challenger-Turnier auf der Herrenseite. Das ist für die Entwicklung junger Spieler wertvoll, erreicht jedoch weder die internationale Sichtbarkeit noch die wirtschaftliche Wirkung eines ATP-250-Events. Auch bei den Frauen hat die Region erlebt, wie schnell ein größerer Status verloren gehen kann: Das Turnier in Ostrava wurde von der 500er- auf die 250er-Kategorie zurückgestuft.
Ein neues ATP-Turnier benötigt mehr als eine volle Arena an einem Davis-Cup-Wochenende. Termin, Finanzierung, Hallenmiete, Sponsoren und die Konkurrenz mit bestehenden Veranstaltungen müssen zusammenpassen. Besonders schwierig ist ein Kalenderplatz, der auch internationale Spitzenspieler anzieht.
Heimstars könnten das Risiko senken
Tschechiens aktuelle Generation verbessert dennoch die Rechnung. Mensik und Lehecka liefern sportliche Qualität, während der Davis Cup ein belastbares Signal für Nachfrage gesetzt hat. Ein Turnier könnte sich zunächst über nationale Identifikation etablieren und danach ein internationales Profil entwickeln.
Prag muss nicht sofort ein Premium-Event anstreben. Ein gut platziertes ATP-250-Turnier wäre ein realistischer Einstieg. Die O2 Arena hat gezeigt, dass große Bilder möglich sind. Nun bräuchte es einen Veranstalter, der aus einem erfolgreichen Länderkampf ein dauerhaftes Tourkonzept macht.
