Carlos Alcaraz träumt davon, der beste Tennisspieler der Geschichte zu werden – allerdings auf seine Weise. In der Netflix-Dokumentation Carlos Alcaraz: My Way spricht der 21-Jährige offen über seinen Wunsch, Leistung und Lebensqualität miteinander zu vereinen. „Was ich möchte, ist, der Beste der Geschichte zu sein. Das ist mein Traum, aber einer der Schlüssel ist, dass ich Spaß habe“, erklärt er. „Ich bin jemand, der gerne zu Hause ist, aber Tennis erlaubt einem das nicht.“
Diese Haltung ruft nicht nur Bewunderung hervor, sondern auch Skepsis – unter anderem bei Carlos Moya, dem früheren Weltklassespieler und langjährigen Trainer von Rafael Nadal. Für Moya ist Alcaraz’ Weg mutig, aber nicht ohne Risiko: „Kurzfristig ist es möglich, Grand Slams zu gewinnen. Langfristig ist es kompliziert, weil Tennis ein Langstreckenlauf ist.“
Zwischen Idealismus und Realität
Alcaraz gibt offen zu, dass er manchmal mit dem Sport hadert: „Meine größte Angst ist es, Tennis irgendwann als Pflicht zu sehen. Manchmal fühle ich mich wie ein Sklave des Tennis.“ Für Moya, selbst French-Open-Sieger von 1998, ist das Streben nach Freiheit verständlich – doch der Anspruch, dabei auch Geschichte zu schreiben, sei ungewöhnlich. „Keiner der drei, die es geschafft haben, hat es auf seine Art gemacht. Aber vielleicht ist er ein Pionier und schafft es.“
Moya betont, dass Alcaraz noch am Anfang seiner Entwicklung steht: „Er ist 21. Vielleicht wird er in zwei Jahren müde von dem, was er jetzt über das Leben sagt. Vielleicht wird er dann reifer.“ Es sei wichtig, Erfahrungen zu sammeln, nicht nur auf dem Platz, sondern im Leben. „Er hat noch viel zu leben, und genau das wird ihn zu seinem höchsten Niveau bringen.“
Die Kritik, Nadal sei ein „Sklave des Tennis“ gewesen, weist Moya deutlich zurück: „Rafa hatte ein sehr erfülltes Leben außerhalb des Platzes. Er hatte Hobbys und genoss seine freie Zeit. Es ist unmöglich, das zu gewinnen, was Carlos gewonnen hat, ohne Disziplin und harte Arbeit.“
Ob Alcaraz langfristig mit seiner Haltung erfolgreich bleibt, ist offen. Doch Moya betont: „Er hat ein gutes Team um sich. Und er hat das Recht, so zu leben. Er tut niemandem weh – und er gewinnt weiterhin.“
