Carlos Alcaraz ist zurück an der Spitze des Herrentennis. Mit einem eindrucksvollen 6:2, 3:6, 6:1, 6:4-Sieg im Finale der US Open gegen Jannik Sinner sicherte er sich seinen sechsten Grand-Slam-Titel und konterte die Niederlage im Wimbledon-Finale im Juli.
Die beiden Ausnahmespieler dominieren die Szene: Seit zwei Jahren haben Alcaraz und Sinner alle acht Grand-Slam-Turniere unter sich aufgeteilt, je vier Titel pro Spieler. Der überzeugende Auftritt des Spaniers in Flushing Meadows hat gezeigt, dass er trotz des jüngsten Erfolgs seines Rivalen keineswegs ins Hintertreffen geraten ist.
Roddicks Analyse zum Duell
Einer, der die Bedeutung dieses Erfolges besonders gut einordnen kann, ist der frühere US-Open-Sieger Andy Roddick. In seinem Podcast Served erklärte er: „Das habe ich nicht kommen sehen, ich habe keinen einseitigen Verlauf erwartet.“ Für ihn war die Deutlichkeit des Finals überraschend.
Roddick lobte die Intensität des Spiels: „Der Spielraum für Fehler ist bei den beiden so hauchdünn. Man muss jede halbe Chance nutzen. Ich weiß, dass ich loslegen muss, sobald ich Jannik in einer Verteidigungssituation sehe, selbst wenn es etwas riskant ist.“ Besonders beeindruckt zeigte er sich vom letzten Spiel: „Sinner hat den Ball härter geschlagen als vielleicht jemals jemand zuvor, den ich gesehen habe. Carlos blieb einfach da, kam zurück auf Einstand und schlug beim Matchball einen Monsterservice.“
Der US-Amerikaner ist überzeugt, dass das Duell weiter die Tenniswelt prägen wird: „Das hört hier nicht auf. Die beiden werden weiter hin- und hergehen, und auch die Trainer im Hintergrund machen das Ganze noch spannender.“
Warnung vor den kommenden Monaten
Trotz aller Euphorie sieht Roddick auch mögliche Stolpersteine. Er erinnerte sich an seine eigenen Erfahrungen nach dem Triumph 2003: „Ich habe am Tag nach meinem US-Open-Sieg jede Menge PR gemacht. Carlos Alcaraz muss nichts tun. Er muss nicht berühmter werden. Jeder liebt ihn. Er muss die Medien nicht beeinflussen. Die Ausstrahlung springt einfach aus ihm heraus.“
Die wahre Herausforderung beginne erst mit der Zeit nach dem Sieg. „Den zehnten PR-Tag übersteht man. Es geht um die Folgen in den nächsten drei Monaten.“ Alcaraz habe in der Vergangenheit im Spätherbst Probleme gehabt: „Für Carlos sah es am Jahresende immer anders aus. In der Halle hat er nie gut gespielt, auch nicht bei den ATP Finals.“
Roddick warnte: „Es gibt jetzt vier Monate lang kein Grand-Slam-Turnier, man sammelt bis zum Jahresende nur Kleinigkeiten. Mein eigener Absturz kam, als ich die Nummer 1 sicher hatte – und ich war fertig. Ich fühlte mich wie ein Zombie. Deshalb sind die nächsten drei Monate für Carlos Alcaraz entscheidend.“
