Boris Becker hat in einem Interview mit Nordic Magazine erstmals ausführlicher über die psychischen Folgen seiner Haft in Großbritannien gesprochen. Der frühere Weltranglistenerste und sechsmalige Grand-Slam-Sieger sagte, er werde sich „niemals vollständig von diesem Moment erholen“.
Boris war im April 2022 wegen Verstößen gegen das Insolvenzrecht zu 30 Monaten Haft verurteilt worden. Nach acht Monaten in den Gefängnissen Wandsworth und Huntercombe wurde er im Dezember desselben Jahres frühzeitig entlassen und nach Deutschland abgeschoben. Eine Rückkehr nach Großbritannien ist ihm seitdem verwehrt.
„Ein Albtraum“ hinter Gittern
Besonders eindringlich beschrieb Boris die Haftbedingungen: „Gefängnisse werden von Häftlingen regiert, nicht von Wärtern. Ich habe sieben Kilo in vier Wochen verloren. Stress, kein Essen, keine Süßigkeiten, kein Alkohol… Die Zelle war sehr kalt, ein echter Albtraum. Ich schlief im Trainingsanzug, mit zwei Jacken, zwei Paar Socken und einem Handtuch um den Kopf gewickelt.“
Der 57-Jährige sprach zudem über Drohungen von Mitgefangenen. Er habe 700 Euro Schulden durch Glücksspiel angehäuft, die er nicht sofort begleichen konnte. „Rumänische Häftlinge kamen in meine Zelle und drohten, mich zu verprügeln, wenn ich nicht zahle“, erklärte Becker. Erst ein Freund, der den Betrag überwies, habe Schlimmeres verhindert: „Ohne diese Hilfe wäre ich heute ein anderer Mensch.“
Neuer Lebensabschnitt, neue Offenheit
Seit seiner Freilassung tritt Becker wieder öffentlich auf, kommentiert Tennisturniere und arbeitete 2024 kurzzeitig als Trainer von Holger Rune. Privat hat er im vergangenen Jahr Lilian de Carvalho Monteiro geheiratet, das Paar erwartet sein erstes gemeinsames Kind.
Mit seinem neuen Buch Inside will Becker nun seine Zeit im Gefängnis umfassend aufarbeiten. Trotz aller Schwierigkeiten formulierte er auch eine versöhnliche Botschaft: „Diese Erfahrung hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf mich. Es ist eine Erinnerung, die ich für den Rest meines Lebens behalten werde.“
