Naomi Osaka kassierte nach ihrer Niederlage gegen Victoria Mboko vor allem eines: Kritik für eine knappe Rede ohne Glückwunsch an die Siegerin. Sie verlor aus ihrer Sicht 6:2, 4:6, 1:6 und sagte nur: „Danke, schätze ich. Ich möchte nicht zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Ich sage einfach allen Danke. Danke an mein Team, die Ballkinder, die Organisatoren und die Freiwilligen. Ich hoffe, ihr hattet einen guten Abend.“ Später räumte sie ein, sie habe „vergessen, ihr auf dem Platz zu gratulieren“.
Andy Roddick hält die Aufregung für überzogen. In seinem Podcast Served erklärte er, Osaka habe „in den Reden nach dem Match nicht viel ausführen“ wollen. Er erinnerte daran, dass Tennis die Verlierer sofort ans Mikro zwingt: „Ich sehe, dass Leute sagen: ‚Sie hätte sagen sollen…‘ Ich weiß nicht, wir sind der einzige Sport, in dem man nach einer Niederlage sofort reden muss. Offensichtlich sind wir in dieser Situation nicht unser bestes Selbst, und wenn manche das sind, super, wenn nicht, dann nicht.“
Maßstäbe im Sport – wer darf sauer sein?
Roddick stellte die Erwartungshaltung generell infrage. „In keinem anderen Sport muss man unmittelbar vor allen sprechen und dabei nicht nur höflich sein, sondern jedem in passender Weise die Blumen geben. Ich weiß nicht, Menschen dürfen verärgert sein.“ Ihm sei wichtiger, „dass sie mit Vicky Mboko die ganze Zeit freundlich ist, als am Grandstand vor einem Mikrofon“.
Er zog Vergleiche zu anderen Stars: „Wenn Michael Jordan das tun würde, hieße es: ‚Er ist so ein Wettkämpfer, er kommt nicht darüber hinweg.‘“ Bei Serena Williams habe man Reizbarkeit dagegen oft negativ ausgelegt. „Ich habe dieses Beispiel bei Serena oft genutzt; sie ging manchmal zur Presse und war sehr gereizt. Wenn das Jordan wäre, würden alle seine Gereiztheit feiern, bei Serena schreiben alle darüber, wie gereizt sie ist. Keine Ahnung. Ist in Ordnung.“
Wir kennen diese Momente. Nach einem verlorenen Finale reagiert man nicht immer ideal. Hier hat Osaka schnell nachgezogen und sich erklärt. Es bleibt eine Panne, jedoch keine, an der man sie dauerhaft messen muss. Für Mboko zählt ohnehin der Sieg, für Osaka die nächste Chance, es besser zu machen – auf dem Platz und am Mikrofon.
