Jessica Pegula und Madison Keys haben unbeabsichtigt eine scharfe Diagnose zum Zustand des Davis Cups geliefert. Die beiden US-Stars wussten vor dem jüngsten Duell ihrer Landsleute mit Tschechien weder genau, dass die Begegnung stattfand, noch wie der Wettbewerb aktuell organisiert ist. Ihre Irritation steht für den Bedeutungsverlust eines traditionsreichen Nationenwettbewerbs.
Selbst Profis verlieren den Überblick
„Der Davis Cup findet statt. Ehrlich gesagt hatte ich das irgendwie vergessen, weil ich noch an die US Open denke“, sagte Pegula im Podcast Player’s Box. Anschließend fragte sie sinngemäß, gegen wen das US-Team spiele; auch Keys war über den erneuten Gegner Tschechien unsicher.
Die Nachfrage war berechtigt: Tschechien setzte sich zum zweiten Mal in Folge mit 3:2 gegen die USA durch. Jiri Lehecka besiegte in Prag sowohl Learner Tien als auch Ben Shelton. Im Vorjahr hatte dieselbe Nation die Amerikaner in Delray Beach ausgeschaltet.
Pegula bat die Zuschauer schließlich um Aufklärung über Ergebnis und Modus. Die Szene war humorvoll gemeint, entfaltet aber eine ernste Wirkung. Wenn zwei prominente Spielerinnen des Gastgeberlandes dem Ablauf kaum folgen können, erreicht der Wettbewerb selbst innerhalb der Tennisblase nicht zuverlässig sein Publikum.
Die Reform hat Identität gekostet
Seit 2019 wird der Davis Cup nicht mehr konsequent über klassische Heim- und Auswärtsduelle bis zum Finale ausgetragen. Die Umstellung auf zentrale Endrunden sollte das Produkt kompakter und planbarer machen. Sie schwächte zugleich jene Atmosphäre, die über Jahrzehnte den Unterschied zu gewöhnlichen Tourturnieren ausmachte.
Alexander Zverev forderte zuletzt, die Verantwortlichen müssten erkennen, was der „echte Davis Cup“ sei. Yannick Noah erklärte, er erkenne den Geist des Wettbewerbs in der aktuellen Form nicht wieder. Pegulas und Keys’ Kommentare ergänzen diese Kritik um eine weitere Ebene: Das Problem betrifft nicht nur Tradition, sondern auch Verständlichkeit und Aufmerksamkeit.
Der Laver Cup nutzt die entstandene Lücke
Während mehrere Topspieler den Davis Cup auslassen, treten Carlos Alcaraz, Zverev und weitere große Namen beim Laver Cup in London an. Das jüngere Format vermittelt mit festen Teams, einem kurzen Zeitraum und klarer Inszenierung sofort, worum es geht.
Der Davis Cup besitzt die größere Geschichte, kann sie aber nicht allein als Wert einsetzen. Eine Reform muss Heimspiele, einfache Erzählbarkeit und verlässliche Termine zusammenbringen. Sonst bleibt die bittere Pointe bestehen: Der traditionsreiche Wettbewerb findet statt, während selbst einige der bekanntesten Menschen im Tennissport erst daran erinnert werden müssen.
