Alexander Zverev will seine erfolgreichste Saison nicht zum Maßstab machen, an dem alle weiteren Ziele enden. Nach den Titeln in Paris und New York rücken für ihn die beiden Grand-Slam-Turniere in den Vordergrund, die in seiner Sammlung noch fehlen: die Australian Open und Wimbledon.
In Wien erklärte der Deutsche, wie sich seine Ansprüche mit den erreichten Erfolgen verändern. „Man muss sich immer wieder neue Ziele setzen“, sagte Zverev. Die Aussicht auf die Nummer eins zum Jahresende beendet diese Suche offenbar ebenso wenig wie der erste große Titel.
Ein vollständigeres Spiel wird zum Anreiz
Über Melbourne und Wimbledon sagte Zverev, „die anderen beiden zu gewinnen, wäre etwas ganz Besonderes für mich“. Zugleich stellte er klar, dass er deshalb auf weitere Erfolge bei den French Open oder den US Open keineswegs verzichten möchte.
Der Reiz liegt damit nicht bloß in einer höheren Zahl an Trophäen. Zwei noch fehlende Turniere lenken den Blick auf unterschiedliche Anforderungen und konkrete Erfahrungen. Ein neues Ziel muss nicht bedeuten, die bisherige Entwicklung zu verwerfen. Es kann auch heißen, die vorhandenen Stärken dort zuverlässiger einzusetzen, wo der letzte Schritt bislang ausgeblieben ist.
Das Rasenfinale verändert den Blick
Zverev erreichte in diesem Jahr erstmals das Wimbledon-Finale und gewann gegen Jannik Sinner den ersten Satz, ehe der Italiener siegte. Nach seiner Einschätzung hatte er auf Rasen erstmals wirklich das Gefühl, um den Titel mitspielen zu können.
Diese Erfahrung gibt dem Ziel eine andere Grundlage als eine reine Wunschliste. Ein Finale zu erreichen, zeigt, dass mehrere Aufgaben auf diesem Belag bereits lösbar waren. Das Endspiel zu gewinnen, bleibt trotzdem eine eigene Hürde. Aus der größeren Nähe zum Titel folgt eine nachvollziehbare Zuversicht, aber kein Anspruch darauf, dass sich die letzte Etappe automatisch anschließt.
Wien bleibt eine Aufgabe für sich
Zverev beginnt sein Turnier gegen Martín Landaluce. Die langfristigen Ambitionen begleiten diesen Auftritt, ersetzen jedoch nicht die Anforderungen eines einzelnen Matches. Gerade nach großen Erfolgen besteht die Aufgabe darin, neue Motivation in konkrete Arbeit zu übersetzen, ohne jede Turnierwoche zum Urteil über die gesamte Karriere zu machen.
Seine Aussagen zeigen, wie dieser Übergang aussehen soll: Er will weiter an Titeln arbeiten, die ihm bislang verwehrt geblieben sind. Dafür muss er Erreichtes anerkennen und zugleich unzufrieden genug bleiben, um sich zu verbessern. Der Wimbledon-Lauf liefert ihm dafür einen greifbaren Anhaltspunkt. Melbourne und London sind nicht nur offene Felder in einer Statistik, sondern die nächsten sportlichen Prüfungen seiner Entwicklung.
