Normalerweise wäre das Fehlen der Nummer eins der Welt beim Indian Wells Masters ein Thema, über das alle sprechen. Doch Jannik Sinner, derzeit wegen eines positiven Dopingtests aus dem letzten Jahr für drei Monate gesperrt, wird kaum erwähnt. Der Italiener fehlt zwar bei einem der wichtigsten ATP-Turniere, jedoch scheinen Fans und Veranstalter sich wenig daran zu stören.
Der Grund dafür könnte an Sinners geringerer Popularität im Vergleich zu anderen Spitzenspielern liegen. Anders als einst Roger Federer, Rafael Nadal oder Novak Djokovic, deren Abwesenheit die Attraktivität eines Turniers erheblich geschmälert hätte, fehlt dem Italiener bisher der Status eines Publikumsmagneten.
Sinners Popularität im Schatten von Alcaraz
Patrick McEnroe, ehemaliger Davis-Cup-Kapitän der USA, erklärt in einem Interview mit Tennis365, warum das Fehlen Sinners nicht stark auffällt: „Alcaraz ist aktuell der beliebteste Spieler im Tennis. Er ist zwar nicht die Nummer eins, doch seine Spielweise fasziniert. Die Fans lieben ihn und sind begeistert von seinen außergewöhnlichen Schlägen.“ Sinner hingegen sei zwar ein herausragender Spieler, besitze jedoch nicht dieselbe Anziehungskraft wie der spanische Rivale.
Auch Patrick Mouratoglou, Coach von Naomi Osaka, sieht Sinners Ausfall eher als Chance für andere Spieler. „Die Abwesenheit von Sinner verändert die Dynamik der ATP-Tour. Jetzt können andere Spieler große Titel gewinnen, aber wer hat die mentale Stärke, diese Gelegenheit zu nutzen?“, schreibt Mouratoglou auf LinkedIn. Er erinnert dabei an Wimbledon, als Topspielerinnen früh ausschieden und letztendlich Marion Bartoli ihre Chance ergriff.
Neue Namen im Rampenlicht
Aktuell profitieren Spieler wie Arthur Fils, Daniil Medvedev, Tallon Griekspoor und Holger Rune besonders von der Situation. Für Fils und Griekspoor wäre das Erreichen eines Masters-1000-Finals Neuland, Rune wartet seit Mai 2023 auf seinen großen Durchbruch, und selbst Medvedev konnte seit über einem Jahr keinen Titel auf diesem Level gewinnen. Mouratoglou meint: „Es geht um mentale Stärke. Wer jetzt erkennt ‚Das ist mein Moment‘, wird Erfolg haben.“
Währenddessen scheint die Tenniswelt bereits nach vorne zu blicken – mit oder ohne Sinner.
