Alexander Zverev hat in Roland Garros den wichtigsten Moment seiner Karriere erlebt. Der Deutsche gewann gegen Flavio Cobolli in fünf Sätzen und holte bei seinem vierten Versuch erstmals einen Grand-Slam-Titel. Nach drei verlorenen Major-Endspielen fiel damit eine Last von ihm ab, die ihn über Jahre begleitet hatte.
Gerade deshalb wirkte die Entscheidung von L’Equipe auffällig. Die französische Sportzeitung setzte Zverev nach seinem Triumph nicht auf die Titelseite. Stattdessen wählte sie die Handballerinnen von Metz, die gegen Gyor Audi ETO KC die EHF Champions League Women gewonnen hatten.
Das war mehr als eine normale redaktionelle Auswahl. Nach Angaben des Referenzberichts endete damit eine Serie von 20 Jahren, in denen der Sieger des Männerturniers von Roland Garros auf dem Cover von L’Equipe erschienen war. Rafael Nadal hatte diese Bühne zwischen 2005 und 2022 besonders geprägt, insgesamt 14 Mal. Auch Carlos Alcaraz, Roger Federer und Novak Djokovic bekamen in diesem Zeitraum den prominenten Platz.
Warum die Entscheidung auffällt
Für Zverev ändert die verpasste Titelseite sportlich nichts. Sein Sieg bleibt der erste Grand-Slam-Erfolg seiner Laufbahn und damit der klare Einschnitt in seiner Karriere. Zugleich zeigt der Moment, wie unterschiedlich sportliche Bedeutung und öffentliche Gewichtung ausfallen können.
Der Deutsche war lange mit dem Etikett „bester Tennisspieler, der nie einen Grand Slam gewonnen hat“ verbunden. Dieses Thema ist nun beendet. Der Erfolg in Paris schließt nicht nur eine Lücke in seiner Bilanz, sondern verändert auch die Erzählung um ihn. Aus dem Spieler, dem der letzte Schritt fehlte, ist ein Major-Sieger geworden.
Die Rasensaison wird der nächste Test
Der Blick nach vorn bleibt jedoch kompliziert. Zverev verkürzte durch den Erfolg den Abstand auf Carlos Alcaraz in der ATP-Rangliste und geht mit dem größten Sieg seiner Karriere in die Rasensaison. Genau dort liegen jedoch seine deutlichsten Grenzen.
Während er bei den Australian Open, in Roland Garros und bei den US Open bereits Finals erreichte, kam er in Wimbledon nie über das Achtelfinale hinaus. Dreimal schied er dort in der vierten Runde aus, ein Viertelfinale gelang ihm bisher nicht.
Auch ein Rasentitel fehlt noch. Zverev steht auf diesem Belag bei 45 Siegen und 23 Niederlagen, was einer Siegquote von 66 Prozent entspricht. Drei ATP-Finals auf Rasen erreichte er, in Halle und Stuttgart, verlor sie jedoch gegen Florian Mayer, Roger Federer und Taylor Fritz.
