Jannik Sinner beginnt Wimbledon 2026 nicht nur als Titelverteidiger, sondern auch mit einer ungewöhnlich vielschichtigen Ausgangslage. Der Weltranglistenerste will beim All England Club seinen fünften Grand-Slam-Titel und seinen ersten Major-Erfolg der Saison holen. Vor dem Turnier stand jedoch zunächst nicht seine Form auf Rasen im Mittelpunkt, sondern sein Körper.
Sinner spielt erstmals wieder, seit er im vergangenen Monat bei seiner überraschenden Zweitrundenniederlage in Roland Garros einen beunruhigenden körperlichen Einbruch erlebt hatte. Nach Paris ließ der Italiener medizinische Tests durchführen. Auf die Frage, was diese ergeben hätten, sagte er: „Nein, es waren allgemeine Tests, um zu sehen, wie es mir gesundheitlich geht, um sicherzugehen, dass mit dem Körper alles in Ordnung ist, was der Fall ist. Alle Tests waren wirklich gut.“
Die Entwarnung war wichtig, doch Sinner verband sie sofort mit einem größeren Thema. „Auch wenn wir sehr sicher sind, dass wir bei heißeren Bedingungen trainieren müssen. Ich habe das Gefühl, dass es überall, wo wir spielen, sehr heiß sein wird. Jedes Jahr wird es wärmer und wärmer. Das ist ein sehr wichtiges Thema.“
Warum die Vorbereitung anders wirkt
Sinner hat vor Wimbledon kein Vorbereitungsturnier bestritten. Er sieht darin keinen Nachteil, sondern eher eine andere Art des Einstiegs. Wenn man vorher ein Turnier spiele und es nicht wie gewünscht laufe, komme man mit Zweifeln nach Wimbledon, erklärte er. Ohne Turnier gehe man einfach hinaus und spiele.
Gleichzeitig betonte er, dass die ersten Runden mental schwierig bleiben. Genau deshalb ist seine Aussage zur Vorbereitung relevant: Sinner versucht nicht, Unsicherheit komplett wegzureden. Er ordnet sie ein und setzt auf Vertrauen in seine Schläge und Fähigkeiten.
Beim Training gab es Anpassungen, jedoch keinen radikalen Umbau. „Wir haben einige Veränderungen vorgenommen. Ich sage nicht große, große Veränderungen. Aber ich glaube immer an kleine Details und kleine Veränderungen“, sagte Sinner. Die Ergebnisse werde man nicht sofort sehen: „Es ist ein langer Prozess. Dahinter steckt keine Magie.“
Die Protestfrage bleibt offen
Neben der körperlichen Situation begleitet Sinner auch der Protest mehrerer Topspieler um Grand-Slam-Preisgelder und Spielerwohl. Die Pressekonferenzen in Wimbledon werden deshalb auf maximal 15 Minuten begrenzt. Sinner sagte dazu: „Es geht nicht um das Geld – nicht nur um das Geld. Es ist das ganze Szenario, das wir mit Wohlergehen und allem anderen berücksichtigen.“
Zwei weitere Fragen zu diesem Thema blockte er ab. Erst sagte er, er wolle darüber im Moment nicht sprechen. Später schloss er: „Die Grand Slams wissen, was wir verlangen, dann werden wir sehen, wie es läuft. Noch einmal, ich bin jetzt hier, um über Tennis zu sprechen.“
Damit setzt Sinner vor Wimbledon eine klare Linie: Gesundheit und Spielerwohl bleiben Teil der Geschichte, doch auf dem Platz muss er die Diskussion wieder in Richtung Titelverteidigung verschieben.
