Kevin Krawietz und Tim Pütz stehen bei den US Open nach zwei Dreisatzsiegen im Achtelfinale. Das deutsche Davis-Cup-Doppel trifft dort auf Julian Cash und Lloyd Glasspool. Obwohl Krawietz und Pütz in der Setzliste einige Plätze vor den Briten liegen, betrachtet Krawietz die Ausgangslage als offen.
Mit den Ergebnissen ist er zufrieden, mit dem Niveau noch nicht. „Wir sind happy, dass wir gegen Rojer und Winegar gewonnen haben, logischerweise. Vom Leistungsniveau her noch nicht. Wir sind vom Kopf her gut da gewesen“, sagte Krawietz. Besonders beim Return fehlten im ersten Satz Möglichkeiten. Selbst mehrere eigene Fehler im Tiebreak konnten sie noch ausgleichen.
Gegen Cash und Glasspool dürfte das nicht dauerhaft reichen. Das britische Duo bietet weniger Raum für schwache Rückschlagspiele und kann kurze Konzentrationsphasen konsequenter bestrafen.
New York verlangt zusätzliche Energie
Krawietz beschreibt die Atmosphäre auf der Anlage als deutlich lauter als in Wimbledon. Zuschauer rufen häufiger dazwischen, und in einer Partie fiel ein Fan im Namen der Gegner besonders auf. „Man versucht sich schon daran zu gewöhnen, aber es ist natürlich unheimlich schwer und vom Kopf her auch teilweise anstrengend“, erklärte der Münchner.
Die zunehmende Inszenierung rund um das Tennis stört ihn weniger als der unmittelbare Lärm im Match. Fotos, Beiträge in sozialen Medien und prominente Gäste gehören für ihn inzwischen zu großen Veranstaltungen. Entscheidend bleibt, die eigene Aufgabe von diesem Umfeld zu trennen.
Seine Familie begleitet ihn in New York. Das schafft wertvolle gemeinsame Zeit, bringt mit kleinen Kindern in einer überfüllten Stadt aber ebenfalls viele Eindrücke. Der Central Park und ein Besuch im Bronx Zoo gehören zu den wenigen Ruhepunkten außerhalb der Anlage.
Eine spätere Partnersuche zeichnet sich ab
Krawietz blickt zugleich über das aktuelle Turnier hinaus. Er geht davon aus, länger zu spielen als der ältere Pütz und irgendwann einen neuen Partner zu benötigen. Neil Oberleitner ist eine denkbare Option. Krawietz versteht sich mit dem Österreicher gut und kennt dessen Trainer Alexander Peya.
„Ich bin überzeugt, dass der Neil seinen Weg machen wird, ich finde, er hat vieles, was man im Doppelspiel braucht“, sagte Krawietz. Er könne sich Oberleitner oder einen anderen Spieler aus der jüngeren Generation an seiner Seite vorstellen.
Noch ist dieser Wechsel kein aktueller Plan. Das eingespielte Duo Krawietz/Pütz verfolgt in New York ein unmittelbares Ziel. Gerade deshalb ist die Offenheit bemerkenswert: Sie zeigt, dass erfolgreiche Doppel nicht erst nach einer Trennung über Nachfolge nachdenken. Zunächst entscheidet jedoch die mentale Stabilität gegen Cash und Glasspool darüber, ob aus zwei mühsamen Siegen ein Viertelfinale wird.
