Andre Agassi betrachtet Jannik Sinners lange Verletzungspause vor allem als eine Phase, mit der der Italiener sinnvoll umgehen muss. In seinem Rückblick auf die Saison verband der frühere Weltranglistenerste die Freude über große Erfolge mit dem Wunsch, die derzeit fehlenden Spitzenkräfte wieder dauerhaft auf dem Platz zu sehen.
Über Sinner sagte Agassi beim Tennis Channel: „Ich hoffe, dass Sinner diese Zeit sinnvoll nutzt“. Der Italiener hat seit seinem Wimbledonsieg wegen einer Knieverletzung nicht mehr gespielt und seine Turniersaison beendet. Seine Abwesenheit prägt damit einen beträchtlichen Teil der zweiten Jahreshälfte.
Eine Pause lässt sich nicht an Siegen messen
Agassis Bemerkung setzt einen anderen Maßstab als die übliche Frage nach dem nächsten Starttermin. Während einer längeren Unterbrechung fehlen die sichtbaren Ergebnisse, an denen sich die Entwicklung eines Profis sonst ablesen lässt. Eine Phase ohne Matches kann deshalb von außen stillstehen, obwohl sie für die weitere Karriere wichtig bleibt.
Die Qualität einer Rückkehr zeigt sich nicht schon mit der ersten Aufnahme in ein Tableau. Für einen Spieler, der um die größten Titel kämpfen will, zählt auch, ob er nach einem Turnier erneut antreten und seine Leistung wiederholen kann. Eine einzelne Teilnahme beantwortet diese Frage noch nicht vollständig.
Auch ein prominenter Name kann den Wettkampf nicht von den körperlichen Voraussetzungen lösen. Wer über viele Monate Erfolg haben will, braucht mehr als einzelne Auftritte. Gerade bei einem Spieler mit Sinners Ansprüchen entscheidet die Verfügbarkeit darüber, ob aus seinem höchsten Niveau auch eine längere zusammenhängende Saison werden kann.
Zverev liefert den anderen Blick auf das Jahr
Agassi würdigte zugleich Alexander Zverevs ersten Grand-Slam-Titel. „Sascha ist einer der fleißigsten Arbeiter auf der Tour“, sagte er. Dass diese Arbeit mit einem lange angestrebten Erfolg belohnt worden sei, habe ihn besonders berührt.
Die beiden Aussagen zeigen unterschiedliche Seiten derselben Karrierefrage. Bei Zverev steht der sichtbare Lohn langer Arbeit im Mittelpunkt, bei Sinner die Arbeit während einer erzwungenen Unterbrechung. Beides lässt sich nicht allein über die letzten Resultate erklären, auch wenn diese das öffentliche Bild meist bestimmen.
Agassis Saisonrückblick richtet sich deshalb nicht nur auf die Verteilung der Titel. Er erinnert daran, wie unterschiedlich die Voraussetzungen der Spieler sind, wenn sie auf das nächste Jahr schauen. Für Sinner geht es zunächst darum, wieder die Grundlage für regelmäßigen Wettbewerb zu schaffen. Erst darauf kann der erneute Angriff auf große sportliche Ziele aufbauen.
