Best-of-five-Matches sorgen weiterhin für großes Interesse beim Publikum – und täglich kommen neue Prognosen hinzu.
Eine Gruppe von Fans würde dieses Format gerne der Vergangenheit angehören sehen oder zumindest dafür plädieren, Best-of-five-Matches erst in den späteren Turnierphasen auszutragen.
Eine konkrete Antwort auf die Frage, wie es weitergeht, gibt es bislang jedoch nicht. Derzeit sorgen lediglich Prognosen und Reaktionen wichtiger Persönlichkeiten aus dem Tennis für Gesprächsstoff.
Daniel Vallverdu hat im Streit darüber, ob Grand-Slam-Turniere im Herren-Einzel weiterhin Best-of-five-Partien austragen sollten, klar Stellung bezogen.
Der frühere Trainer von Andy Murray reagierte, nachdem Ben Shelton Carlos Alcaraz im Viertelfinale der US Open in fünf Sätzen bezwungen hatte. Der US-Amerikaner setzte sich im Arthur Ashe Stadium nach vier Stunden und 28 Minuten mit 6:7(5), 6:1, 6:3, 1:6, 7:6(7) durch.
Die Partie endete um 3:33 Uhr Ortszeit in New York – so spät wie noch kein Match zuvor in der Geschichte der US Open. Zudem feierte Shelton seinen ersten Sieg gegen Alcaraz und zog zum zweiten Mal in ein Grand-Slam-Halbfinale ein.
Nur wenige Stunden zuvor hatte auch Frances Tiafoe fünf Sätze benötigt, um Alex Michelsen zu bezwingen. Der 28-Jährige drehte die Partie nach einem 0:2-Satzrückstand und gewann mit 5:7, 3:6, 7:5, 6:3, 7:6(6).
Diese beiden Partien fielen zeitlich mit einer erneuten Debatte über die Zukunft des Herren-Tennis bei Grand-Slam-Turnieren zusammen.
Auch der späte Spielbeginn beziehungsweise das späte Ende der Partie sorgte für Diskussionen: Viele Fans befanden sich bis tief in die Nacht im Arthur Ashe Stadium, während die Spieler ihre Begegnung noch nach 3 Uhr morgens fortsetzen mussten.
Vallverdu meldet sich in der Best-of-five-Debatte zu Wort
Andrew Abdo, der neue Geschäftsführer von Tennis Australia, hatte kürzlich erklärt, dass der Tennissport offen für Veränderungen sein müsse. Dabei deutete er an, dass Best-of-five-Matches möglicherweise nicht mehr in jeder Runde eines Grand-Slam-Turniers ausgetragen werden müssten.
Vallverdu konnte dieser Idee nichts abgewinnen. Der Venezolaner, der mehrere Jahre mit Murray arbeitete und außerdem Teil des Teams von Stan Wawrinka war, veröffentlichte nach dem Ende der Partie zwischen Shelton und Alcaraz seine Reaktion auf X.
“For anyone in tennis or outside of the sport, do me a favour and stop talking about best of five sets,” Vallverdu sagte.
“Spend more time worrying about what parts of the game can drive more value and leave best of 5 alone.
“Hope you enjoyed today's day of tennis as much as the rest of the world did.”
Vallverdu kennt sich mit langen Grand-Slam-Partien bestens aus. Während seiner Zeit mit Murray gehörte er zum Team des Schotten, als dieser 2012 die US Open und 2013 Wimbledon gewann.
Die Diskussion begleitet den Tennissport bereits seit Jahren, erhielt aber neuen Auftrieb, nachdem Abdo bei der SportNXT-Konferenz in Melbourne gesprochen hatte.
“Maybe in the future Slams at the different rounds or at different lengths of duration, maybe we're not playing best of 5 all the way through, maybe the point scoring system changes,” Abdo sagte.
“Maybe there are different permutations to how we engage and entertain audiences without losing the fabric, and what really makes the sport special.
“I think those are the questions that we need to explore and discover, and I think there's a place for evolving that.”
Auch Tiafoe spricht sich für Best-of-five aus
Vallverdu ist nicht der Einzige bei den diesjährigen US Open, der am aktuellen Format festhalten möchte. Nach seinem Comeback gegen Michelsen wurde Tiafoe auf das Thema angesprochen. Dabei betonte er, dass Fünfsatzmatches ein wichtiger Bestandteil der Grand-Slam-Geschichte seien.
“100 per cent, I think for the men's we should stick with three out of five,” Tiafoe sagte.
“I don't know where the conversation is going, what people are leaning to. Everyone is going to have an opinion. Everyone is different. Everyone has their opinion.
“We've seen so many epics in five-setters. Do I love five-setters? Absolutely not. There's a lot of times where I'm up two sets to love, I would love to shake hands and go home. But it's tennis, man.”
Die aktuelle Nummer zwölf der Weltrangliste erinnerte zudem an Partien zwischen Novak Djokovic, Rafael Nadal und Roger Federer und erklärte, weshalb das Format seiner Meinung nach bestehen bleiben sollte.
“I grew up watching so many incredible five-setters. Novak-Rafa, Federer-Rafa, epic five-setters that go on for hours and hours. That's the history of the game. You do that, I feel like your Slam doesn't mean as much personally if you get it done in a two-out-of-three format.”
Shelton und Tiafoe treffen nun im Halbfinale der US Open aufeinander. Damit wartet auf beide US-Amerikaner bereits das nächste Best-of-five-Match.
Der 23-jährige Shelton geht nach seinem bislang größten Turniersieg in dieses Duell. Alcaraz räumte nach dem Viertelfinale ein, dass Sheltons Aufschlag im entscheidenden Tiebreak eine große Waffe gewesen sei, und bezeichnete seinen Gegner als “a beast.”
Ein weiterer Sieg würde Shelton erstmals ins Finale der US Open führen. Tiafoe kämpft um den Einzug in sein erstes Grand-Slam-Finale, nachdem er 2022 und 2024 in New York bereits das Halbfinale erreicht hatte.
Ihr Halbfinale wird der Best-of-five-Debatte somit eine weitere Partie hinzufügen, bevor bei den US Open der neue Sieger im Herren-Einzel feststeht.
