Iva Jovic hat persönliche Angriffe im Netz öffentlich gemacht und damit den Blick von ihrem jüngsten Ergebnis auf den Umgang mit Spielerinnen gelenkt. Die 18-Jährige zeigte am Tag ihrer Viertelfinalniederlage gegen Diana Shnaider in Ningbo beleidigende Reaktionen auf einen Instagram-Beitrag über ihr Turnier in Wuhan.
Ihre Antwort fiel knapp aus: „Einfach wahnsinnig. Seid freundlich, alle zusammen“. Jovic verlangte damit weder Zustimmung zu ihrer Leistung noch Schutz vor sportlicher Bewertung. Sie richtete den Appell an Menschen, deren Kommentare längst nicht mehr nur ihr Tennis betrafen.
Ein Ergebnis rechtfertigt keinen persönlichen Angriff
Der Beitrag hatte mehr als 50.000 Likes erhalten. Unter den negativen Reaktionen fanden sich jedoch auch Aufforderungen zum Aufgeben und Angriffe auf ihre Eltern. In Wuhan war Jovic in der dritten Runde an der späteren Siegerin Maja Chwalinska gescheitert.
Gerade der Unterschied zwischen großer Zustimmung und einzelnen verletzenden Nachrichten ist wichtig. Eine positive Gesamtreaktion macht persönliche Angriffe nicht bedeutungslos. Für die Betroffene erscheinen beide im selben öffentlichen Raum, obwohl sie ganz unterschiedliche Grenzen überschreiten oder respektieren.
Eine sportliche Analyse kann erklären, weshalb eine Spielerin verloren hat, wo ihr Spiel anfällig war oder welche Erwartungen sie noch nicht erfüllt. Aussagen über ihre Familie leisten dazu nichts. Sie verändern den Gegenstand der Debatte: Aus der Bewertung eines Wettkampfs wird ein Angriff auf die Person hinter dem Ergebnis.
Gauff hatte dieselbe Grenze eingefordert
Coco Gauff hatte nach ihrem Auftritt bei den China Open ebenfalls gegen Übergriffe Stellung bezogen, in ihrem Fall gegen rassistische Nachrichten. Sie schrieb: „Ihr könnt mich nicht mögen oder anderer Meinung über das Geschehen sein, ohne rassistisch zu sein.“
Beide Reaktionen stellen nicht das Recht auf eine kritische Meinung infrage. Sie zeigen vielmehr, wie wenig eine solche Meinung mit Beleidigungen zu tun hat. Wer ein Match anders beurteilt, braucht dafür weder die Herkunft einer Spielerin noch deren Angehörige zum Thema zu machen.
Jovics Veröffentlichung macht außerdem deutlich, dass der Umgang mit Niederlagen nicht am Ausgang des Stadions endet. Zur eigenen Enttäuschung können Nachrichten kommen, die mit der sportlichen Aufgabe nichts mehr zu tun haben. Ihr Appell fordert deshalb keine Sonderbehandlung für eine erfolgreiche Jugendliche. Er benennt eine Mindestanforderung an die öffentliche Diskussion, die unabhängig davon gelten sollte, ob jemand gerade gewinnt oder verliert.
