Carlos Alcaraz ist für viele Tennisfans ein einzigartiger Spieler mit zahlreichen Waffen in seinem Repertoire.
Viele versuchen, Schwächen in seinem Spiel auszumachen. Doch der Spanier hat bei zahlreichen Turnieren bewiesen, dass er gemeinsam mit Jannik Sinner zu den dominantesten Figuren des Sports gehört.
Experten und Analysten beschäftigen sich seit Jahren mit seinem Spiel. Dabei rücken sie sowohl einige Schwachstellen als auch die Stärken in den Fokus, die Alcaraz so schwer bezwingbar machen.
John McEnroe hat nun eingeräumt, dass es eine Sache an Carlos Alcaraz gibt, die er bis heute nur schwer verstehen kann. Dabei geht es weder um die Vorhand noch um die Beweglichkeit des Spaniers.
Der siebenmalige Grand-Slam-Champion sprach im Podcast „Tennis Insider Club“ mit Caroline Garcia und Borja Duran über Alcaraz. McEnroe, der für seine Emotionalität und seine häufigen Wutausbrüche auf dem Platz bekannt war, erklärte, er wisse nicht, wie der 23-Jährige im Umgang mit dem Druck und den Erwartungen an der Weltspitze stets so glücklich wirken könne.
Alcaraz steht derzeit auf Platz drei der Weltrangliste und hat bereits sieben Grand-Slam-Turniere gewonnen. Bei den US Open kehrte der Spanier nach einer mehr als viermonatigen Pause aufgrund einer Handgelenksverletzung zurück. Sein Comeback endete im Viertelfinale gegen Ben Shelton.
Shelton bezwang den ehemaligen Weltranglistenersten nach vier Stunden und 28 Minuten mit 6:7(5), 6:1, 6:3, 1:6, 7:6(10:7). Die Partie endete in New York um 3:33 Uhr und damit so spät wie kein anderes Match in der Geschichte der US Open.
McEnroe über Alcaraz und den Druck
McEnroe sprach zunächst darüber, wie er während seiner eigenen Karriere mit Rivalitäten umging. Der US-Amerikaner erklärte, dass es zu seiner Zeit durchaus verbale Provokationen gegeben habe, und nannte Jimmy Connors als einen Spieler, der es seinen Gegnern nicht leicht gemacht habe.
“I wanted to have it where tennis players would be looked upon the same way that other athletes are, like on a football pitch. They are not saying hello, how are you. They are ready to kill each other. There was some trash talking when I was playing. Connors would say, ‘you’re the worst’, and you would have to stand up for yourself. That seemed normal.”
Der frühere Weltranglistenerste erklärte zudem, dass seine eigene Persönlichkeit es ihm schwer gemacht habe, jederzeit die Kontrolle zu behalten. McEnroe verglich sich eher mit dem französischen Publikum als mit Bjorn Borg, der dafür bekannt war, nur sehr wenige Emotionen zu zeigen.
Der 67-Jährige kam anschließend auf den Druck und die psychische Gesundheit im Tennis zu sprechen. Er betonte, dass sich Spieler bereits seit vielen Jahren mit diesen Problemen auseinandersetzen müssten – auch wenn heute häufiger darüber gesprochen werde.
“Other people seem to handle it so well. I watch Alcaraz and I think how is he so happy on court all the time? Roger Federer looked like he loved every minute of it. I wish I knew how they were able to handle the pressure and the expectations and still be able to remain happy. I love Alcaraz; he is my favourite guy to watch. I can’t believe it’s even possible he can be like this. It’s amazing.”
McEnroe war insgesamt 170 Wochen die Nummer eins der Welt und gewann in seiner Karriere 77 ATP-Einzeltitel. Außerdem beendete der US-Amerikaner vier Saisons in Folge – von 1981 bis 1984 – als Jahresendranglistenerster.
Alcaraz hat bereits zu McEnroe aufgeschlossen
Im Februar gewann der Spanier die Australian Open. Im Finale setzte er sich mit 2:6, 6:2, 6:3, 7:5 gegen Novak Djokovic durch. Es war sein erster Titel in Melbourne und machte ihn zum jüngsten Spieler, der den Karriere-Grand-Slam vollendete.
Mit diesem Erfolg erhöhte Alcaraz seine Ausbeute auf sieben Grand-Slam-Titel und zog mit McEnroe sowie Mats Wilander gleich. Zuvor hatte er bereits zweimal bei den French Open, zweimal in Wimbledon und zweimal bei den US Open triumphiert, ehe er schließlich auch den Pokal der Australian Open gewann.
Wenige Tage nach seinem Titelgewinn in Melbourne gab Carlos zu, dass ihn McEnroes Name neben seinem eigenen kurz innehalten ließ.
“In tennis it’s very hard to stop and realize what you’re achieving. But last night, looking at messages and social media, I saw that I’d tied John McEnroe’s number of Grand Slams. And it was like… okay, this is huge. Matching someone like McEnroe is a big deal. It’s crazy and wonderful to be there, with my name next to his; someone I admire and respect enormously.”
McEnroe beendete seine Einzelkarriere mit sieben Grand-Slam-Titeln. Alcaraz erreichte diese Marke bereits im Alter von 22 Jahren. Der Spanier wurde im Mai 23 Jahre alt und liegt damit bereits gleichauf mit einem der besten Spieler der 1980er-Jahre.
Nach seinem Aus bei den US Open hat Alcaraz etwas Zeit bis zu seinem nächsten bestätigten Turnierauftritt. Der spanische Star gehört zum Team Europa beim Laver Cup in London, der vom 25. bis 27. September ausgetragen wird.
